ENTWURF Stellungnahme der Gemeinde Hohentengen zum Versand an den Regionalverband

 Zunächst ist es sehr zu begrüßen, dass der Entwurf der Fortschreibung des Regionalplanes einen Schwerpunkt zur gewerblichen Entwicklung im östlichen Landkreis Sigmaringen beinhaltet, von dem auch unsere Gemeinde als Partnerkommune im Zweckverband „Interkommunaler Gewerbe- und Industriepark Donau Oberschwaben“ (IGI DOS) profitieren wird. Wir bedanken uns dafür, dass damit unsere Raumschaft und damit auch die Gemeinde Hohentengen die Chance erhält, sich wirtschaftlich positiv weiterzuentwickeln und neue Betriebe hier anzusiedeln.


Dennoch erheben wir zum Entwurf der Fortschreibung 


Einwendungen:

Es wird von unserer Seite nicht akzeptiert, dass die Gemeinde Hohentengen die Einstufung als „Kleinzentrum“ verlieren soll. 


Begründung:

I. Generelle Position
Nach dem Entwurf zur Anhörung gem. Beschluss der Verbandsversammlung vom 20. Juli 2018 erfüllt die Gemeinde Hohentengen aufgrund zu geringer Bevölkerungszahlen (ca. 4.100) in Verbindung mit der Nähe zum Unterzentrum Mengen und einer negativen Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2035, eines fehlenden überörtlichen Verflechtungsbereichs und der im Vergleich zu anderen Kleinzentren deutlich schwächeren infrastrukturellen Ausstattung nicht die Voraussetzungen für eine Einstufung als Kleinzentrum.
Dieser Einschätzung widersprechen wir ausdrücklich. Beim Wohnungsbau und insbesondere im Hinblick auf die gewerbliche Entwicklung hat sich die Gemeinde Hohentengen in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt. Zudem wurde in den letzten Jahren erheblich in Ausbau und Modernisierung der kommunalen Infrastruktur investiert, um die Voraussetzungen für weiteres Wachstum zu schaffen. Insbesondere im Rahmen der noch laufenden Ortskernsanierung in Hohentengen wurden bzw. werden erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Ortskern zu stärken und die Strukturen der funktionierenden Nahversorgung zu stärken. So werden unsere Bürgerinnen und Bürger sowie auch Besucher aus dem Umland auch in Zukunft in Hohentengen alle Dinge des täglichen Bedarfes kaufen und ihre wichtigsten Anliegen (Arzt, Zahnarzt, Apotheke, verschiedene Therapie-Praxen, Bank usw.) erledigen können. 
In Hohentengen wurde kürzlich das neue Wohnbaugebiet „Eschle“ geschaffen, die Erschließung des ersten Bauabschnitts ist abgeschlossen. Da mehr als doppelt so viele Kaufanfragen vorliegen, wie Bauplätze zur Verfügung gestellt werden können, laufen bereits die Vorbereitungen zur Ausschreibung des zweiten Bauabschnitts. Weitere, dringend notwendige Wohnbaugebiete in Hohentengen und in mehreren Teilorten sind in Vorbereitung. 
Zudem hat sich die Gemeinde Hohentengen in den letzten Jahren – entsprechend den politischen Zielvorgaben des Landes – mit erheblichem Aufwand und in vorbildlicher Weise der ebenfalls politisch gewünschten Innenentwicklung gewidmet. Neben der Beauftragung eines aktiven Dorfmanagements zur Aktivierung innerörtlicher Potentiale stellt die Gemeinde erhebliche finanzielle Mittel für ein Förderprogramm „Wir schaffen Platz“ zur Verfügung. Durch eine Co-Finanzierung des Landes (ELR) erhalten 25 Eigentümer von alter Bausubstanz einen Zuschuss (bis zu 100% der Abbruchkosten), weil anschließend ein neues Wohngebäude errichtet wird. Für 2020 wurde ein ELR-Antrag zur Fortsetzung und dieses Programms gestellt.
Künftige Möglichkeiten einer positiven Gemeinde-Entwicklung würden durch eine Herabstufung der Gemeinde zum nicht-zentralen Ort erheblich gefährdet. Insbesondere im Hinblick auf den neuen Zweckverband „Interkommunaler Gewerbe- und Industriepark Donau Oberschwaben (IGI DOS)“ und die Ausweisung eines gewerblichen Entwicklungsgebiets in Mengen/Hohentengen/Herbertingen, von dem die größte Teilfläche auf Gemarkung Hohentengen liegen wird, sind wir davon überzeugt, dass mit dem steigenden Fachkräftebedarf auch der regionale Bedarf nach Wohnraum steigen wird. Dies wird insbesondere auch in unserer Gemeinde zu mehr Nachfrage nach Wohnraum und Zuzügen führen. Diese positive Entwicklung wird aber nur dann möglich sein, wenn es der Gemeinde Hohentengen auch in Zukunft zugestanden wird, entsprechende neue Wohnbaugebiete in dazu notwendigem Umfang auszuweisen. 
Durch einen Verlust des Status als Kleinzentrum würde unsere Gemeinde in ihrer zukünftigen Entwicklung erheblich eingeschränkt werden, was wir nicht hinnehmen können. Die zu befürchtenden Einschränkungen widersprechen auch dem Ziel von gleichen Entwicklungschancen der Kommunen im Ländlichen Raum bzw. der Schaffung von gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land – einem Ziel dem auch Regionalverband Bodensee Oberschwaben verpflichtet ist. 
Ähnliches gilt im Hinblick auf die Auflösung unseres Bundeswehrstandorts (Oberschwa-ben-Kaserne). Eigentlich müsste eine Konversionsgemeinde vom Regionalverband unterstützt und nicht auch noch durch eine Herabstufung zusätzlich benachteiligt werden. 
Die bisherigen Ausführungen möchten wir damit bekräftigen, dass unsere Fragen an den Regionalverband zur möglichen Wirkung einer Herabstufung als nicht zentraler Ort bisher nur unzureichend beantwortet wurden. Vage Andeutungen über angeblich geringe Auswirkungen reichen nicht aus. Eine Herabstufung würde zwangsläufig negative Auswirkungen haben, sonst hätte eine solche Klassifizierung ja keinen Sinn bzw. es würden nicht andere Kommunen den positiven Antrag auf Einstufung als „Kleinzentrum“ stellen.

II. Punktuelle Richtigstellungen und Fragen zum Steckbrief
Nachstehend wird auf einige Punkte zum Steckbrief eingegangen, nach dessen Fazit die Gemeinde Hohentengen (angeblich) nicht die Voraussetzungen zur Einstufung als Kleinzentrum erfüllt. Grundsätzlich bezweifeln wir den detaillierten Bewertungskatalog, der uns trotz einer entsprechenden Anfrage nicht vorgelegt wurde. Ohne eine aufgegliederte Darstellung der Kriterien und der konkreten Bewertung der Gemeinde Hohentengen für sich und im Vergleich zu anderen, bestehenden oder geplanten Kleinzentren ist eine transparente und nachvollziehbare Bewertung (++/+/o/-/--) nicht gegeben.
Aus diesem Grund verlangen wir hierzu eine ausführliche und detaillierte Darstellung bevor die Verbandsversammlung des Regional-verbandes über die Fortschreibung des Regionalplanes abschließend beraten wird. 
Zudem wird auch die Datenerhebung und Prognose der künftigen Entwicklungen grundsätzlich infrage gestellt, insbesondere zur Bevölkerungsentwicklung und der zentral-örtlichen Einrichtungen. 


4.3.1. Raumstruktur
Die Aussage dass durch Hohentengen keine Landes- oder regionale Entwicklungsachse verläuft ist falsch. Die Landesentwicklungsachse B32/B311 verläuft sogar gebündelt entlang dem Gewerbegebiet Hohentengen, das zu dieser Achse über einen direkten Straßenanschluss mit Abbiegespur verfügt. Diese Anbindung wird durch die Schaffung eines interkommunalen Gewerbe- und Industriegebiets (Zweckverband IGI DOS „Mitte“) mittelfristig enorm an Bedeutung gewinnen.
Dass durch die „Nähe zum Unterzentrum Mengen die Einstufung als Kleinzentrum in Frage zu stellen ist“, wie es im Steckbrief heißt, ist für uns nicht nachzuvollziehen. Diese Nähe bestand auch schon bei der letzten Fortschreibung im Jahre 1996 und zudem sind auch andere bestehende Kleinzentren nicht weit von benachbarten Unter- oder Mittelzentren entfernt.

4.3.2. Bevölkerungsentwicklung und Prognose im Verflechtungsbereich
Grundsätzlich muss die rückblickende Betrachtung bezüglich der Schließung der ehemaligen Oberschwaben-Kaserne im Jahr 2011/12 bereinigt werden. Dass durch diesen Einschnitt die Zahl der Einwohner um fast 300 gesunken ist, kann unserer Gemeinde nicht angelastet werden. Seitdem hat sich die Zahl der Einwohner stabilisiert und wieder deutlich erhöht. Zum 31.03.2019 sind 4.161 Personen mit Hauptwohnsitz gemeldet.

Zudem ist bekannt, dass die Volkszählung vor einigen Jahren (Zensus 2011) besonders in Garnisonsgemeinden starke Abweichungen ergab, die nicht abschließend aufgeklärt werden konnten. So war auch der für die Gemeinde Hohentengen ermittelte „Verlust“ von Einwohnern mit Hauptwohnsitz nicht vollständig nachvollziehbar. Bestärkt werden wir in diesem Zweifel durch den optischen Eindruck: die Gemeinde ist seit 1998 durch mehrere Baugebiete in allen Ortschaften „gewachsen“ ohne dass gleichermaßen der Leerstand zugenommen hätte; folglich können wir von einer Nettozunahme der Bevölkerung ausgehen.

Auch die neueste Bevölkerungsvoraus-rechnung des Statistischen Landesamtes mit Basis 2017 geht von einem Anstieg der Einwohnerzahl auf 4.230 (Hauptvariante für das Jahr 2035). Nach unserer festen Überzeugung kann diese Zahl wesentlich früher erreicht und bis 2035 weit übertroffen werden. Wie oben ausgeführt werden derzeit in der Gemeinde (insbesondere auch in den Ortskernen) sehr viele Wohngebäude neu errichtet. Zudem hat 2019 ein ortsansässiges, sehr erfolgreiches Bauunternehmen in der Ortsmitte von Hohentengen einen neuen Hauskomplex mit 18 Wohneinheiten geschaffen – überwiegend Mietwohnungen für eigene bzw. künftige Mitarbeiter. In diesem Gebäude werden demnächst rund 50 Neubürger wohnen und das Unternehmen plant weitere vergleichbare Bauvorhaben in der Gemeinde. 

Trotz einer absehbar starken Zunahme der Bevölkerung wird selbstverständlich nicht verkannt, dass die Gemeinde Hohentengen die für Kleinzentren geltende „Norm-Marke“ von 8.000 Einwohnern in absehbarer Zeit nicht erreichen wird. Wir weisen aber darauf hin, dass dieser Grenzwert auch von anderen (bestehenden und geplanten) Kleinzentren bei weitem nicht erreicht wird.

4.3.3. Größe und Tragfähigkeit des Verflechtungsbereichs
Der Steckbrief verweist auf das Fehlen eines übergemeindlichen Verflechtungsbereichs. Dem wollen wir entgegenhalten, dass durchaus Einwohner aus Nachbarkommunen in der Gemeinde Hohentengen einkaufen, ihre sonstigen Erledigungen tätigen oder die zentralörtliche Einrichtungen (siehe auch nachfolgende Ziffer 4.3.4.) nutzen. 
Zudem haben wir in der Gemeinde Hohentengen eine ganze Reihe von erfolgreichen Unternehmen, die nicht nur zahlreiche Arbeitnehmer/innen aus den Umlandkommunen beschäftigen, sondern auch sehr viel Kunden in direkt benachbarten Städten und Gemeinde bedienen. Hier sind besonderes zu benennen die Betriebe der der Grundversorgung (Bäcker, Metzger, Gaststätten, Getränkehandel/Zeltverleih), verschiedene Unternehmen im Baugewerbe (Rohbau, Bewehrungsbau, Holzbau, Schreiner / Innenausbau, Gipser- und Stuckateur, Maler, Elektrotechnik, Fliesenleger, Metallbau, Fenster/Türen/ Wintergärten, Rollladenbau und Sonnenschutz, Haustechnik / Heizung / Lüftung / Sanitär / Bauflaschnerei, Garten- und Landschaftsbau sowie auch schlüsselfertiges Bauen / Wohnungsverwaltung und Bautechnik-Vertrieb), ein größerer Betrieb für Traktoren und Landmaschinen (Handel, Service, Ersatzteilversorgung) mit Zweigstellen in Münsingen und Oberteuringen und zahlreiche andere Betriebe, wie Verkauf und Vermietung von LKW-Anhängern und Aufliegern, Druckerei, Karosserie- und Sonderfahrzeugbau, Verkauf und Vermietung von Gabelstaplern, Automobilwerkstatt mit Fahrzeug-Handel und Vermietung von Kleinbussen, Fachgeschäft für Angelsport & Heimtierbedarf und ein bedeutender Pferde-Westernstall mit Reithalle und Pferdepension, Steinmetz, Beschichtungstechnik, Freiberufler und Dienstleister (Architekten und Ingenieure, IT-Beratung, Versicherung und Vermögensberatung, Fahrschule, Bestattungsunternehmen, Fotostudio, therapeutisches Reiten). Eine Auflistung sämtlicher relevanter Betriebe mit ergänzenden Detailangaben entnehmen Sie bitte der Anlage.
Durch den kürzlich abgeschlossenen Ausbau eines Glasfasernetzes (GF-Direktanschluss FTTB) in allen Gewerbegebieten der Gemeinde Hohentengen wurden für die Unternehmen eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um den künftigen Anforderungen (unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“) gerecht zu werden. Sie haben damit auch die Chance, die positive Entwicklung der letzten Jahre fortzusetzen.
Weitere Verflechtungen gibt es im Bereich Landwirtschaft und Energie. In der Mühle in Hohentengen-Bremen liefern Landwirte aus der Gemeinde und aus dem gesamten Umland ihr Getreide ab bzw. lassen es mahlen. Eine kürzlich abgeschlossene Modernisierung unterstreicht, dass dieser Betrieb auch in Zukunft ein ist ein wichtiger Dienstleister für die ganze Region sein wird. Außerdem verwerten insgesamt drei Biogasanlagen auf dem Gemeindegebiet nicht nur Energiepflanzen, die auf unserer Gemarkung wachsen und tierische Exkremente, die hier anfallen, sondern werden auch von vielen Landwirten aus den Nachbarkommunen beliefert. Die produzierte elektrische Energie dieser Anlagen wird ebenso in das allgemeine Versorgungsnetz eingespeist wie der Strom aus mehreren Wasserkraftwerken und jener, der bei einer großen PV-Freiflächenanlage auf dem Konversionsareal der ehemaligen Oberschwaben-Kaserne produziert wird. So ist die Gemeinde Hohentengen einer der wenigen Kommunen, wo mit 27.712 MWh weit mehr (151,54 %) Strom aus erneuerbaren eingespeist als insgesamt verbraucht wird (Quelle: Energiemonitor Strom 2018 der EnBW). Man kann im Hinblick auf die allseits gewünschte Energiewende also sagen, dass die große Menge des Stroms, der in der Gemeinde Hohentengen aus erneuerbaren Quellen produziert wird, auch die Versorgungssicherheit der Nachbarkommunen sicherstellt.
Weitere Verflechtungen ergeben sich im Bereich der Sicherheit. Die Freiwillige Feuerwehr Hohentengen leistet häufig Überlandhilfe bei Unglücks- und Brandfällen in den Nachbarkommunen. Außerdem steht unsere Feuerwehr gemeinsam bzw. in Kooperation mit der Freiwilligen Feuerwehr Mengen für besondere Situationen am Verkehrslandeplatz Mengen – Hohentengen zur Verfügung.
Zudem ist die Freiwillige Feuerwehr Hohentengen der kreisweit zentrale Standort für ein Silo zur Sandsack-Abfüllung ist. Das heißt, unsere Feuerwehr rückt bei Gefahr eines drohenden Hochwassers mit diesem Gerät auch zu den anderen Kommunen des Landkreises Sigmaringen aus.
Deshalb ist die die vorgenommene Einstufung im Hinblick auf Größe und Tragfähigkeit des Verflechtungsbereichs (--) nicht nachvollziehbar. 

4.3.4. Zentralörtliche Einrichtungen
Die die vorgenommene Einstufung (--) für den Teilbereich „Gesundheit und Soziales“ ist völlig inakzeptabel. Dank mehrerer Arzt- und sonstiger Praxen (Hausarzt, Zahnarzt, Logopädie-, Physio- und Ergotherapie) sowie einer Apotheke ist die medizinische Grundversorgung in der Gemeinde Hohentengen umfassend gesichert – zumindest nicht weniger gut als in anderen Kleinzentren des Landkreises Sigmaringen. Eine Auflistung der relevanten Betriebe und Einrichtungen entnehmen Sie bitte der Anlage.
Wir verweisen zudem auf das Pflegeheim „St. Maria“ mit 32 Plätzen. Hier kommt die Mehrzahl der Bewohner/innen nicht aus unserer Gemeinde sondern aus benachbarten Kommunen. Daneben ist die „Wohnanlage für Jung und Alt“ mit 24 barrierefreien Wohnungen Betreuung durch die Gemeinwesenarbeit der Stiftung Liebenau eine wichtige Einrichtung, wo ebenfalls viele der Bewohner/innen nicht aus der Gemeinde Hohentengen stammen.
Zudem gibt es in unserer Gemeinde ein engmaschiges soziales Netz mit sehr vielen ehrenamtlichen Kräften: Unter dem Dach des Förderverein Christliche Sozialstiftung e.V. werden hilfe- und pflegebedürftige Menschen in verschiedenster Weise begleitet und unterstützt, eine örtliche Demenzgruppe mit Fahrdienst entlastet pflegende Angehörige (unter anderem aus der Stadt Mengen) ebenso wie ein wöchentlicher Transport zur Tagespflege im Pflegeheim Mengen. Gebündelt werden die Angebote im neu geschaffenen „Sozialpunkt Göge“ – eine Anlaufstelle des Fördervereins Christliche Sozialstiftung, wo Menschen in Not oder deren Angehörigen Hilfen und fachliche Unterstützungsangebote vermittelt werden.
Zum Bereich „Soziales“ zählt auch die seelsorgerische Versorgung. Hier ist Hohentengen zentraler Sitz der katholischen Seelsorgeeinheit Göge-Donau-Schwarzachtal zu der, neben allen Ortschaften unserer Gemeinde, auch die Gemeinde Herbertingen mit den Teilorten Hundersingen, Marbach und Mieterkingen sowie die Ortschaft Beuren (Teilort der Stadt Mengen) gehören.
Bei der negativen Einstufung (--) für den Teilbereich „Bildung“ mag die Schließung der Hauptschule (2010) als Argument gelten. Es muss aber auch berücksichtigt werden, dass sich die Gemeinde Hohentengen in den letzten Jahren nicht auf die Bestandsverwaltung von Einrichtungen beschränkt hat sondern es wurden bzw. werden zahlreiche Zukunftsinvestitionen zum Ausbau und zur Stärkung der vorhandenen Infrastruktur getätigt: Sowohl im zentralen Kindergarten St. Maria Hohentengen wie auch in der Göge-Schule erfolgte der Neubau von Gebäuden und die Bestandsgebäude wurden bzw. werden derzeit umfassend saniert. Zudem ist zu berücksichtigen, dass in beiden Einrichtungen auch Kinder aus Nachbarkommunen betreut bzw. beschult werden.
Außerdem verweisen wir auf andere Kommunen, die nach dem aktuellen Regionalplan-Entwurf ihren Status als Kleinzentren nicht verlieren werden, obwohl sie ihre weiterführende Schule aufgeben (Krauchenwies) oder nur noch „zweiter Standort“ eines Schulverbundes (Herbertingen) sind. Ohne diesen Gemeinden ihren Status absprechen zu wollen, erscheint es als nicht angebracht, der Gemeinde Hohentengen die Schließung der Hauptschule als eines der Hauptargumente für eine Aberkennung des Status als Kleinzentrum entgegen zu halten.
Auch im Bereich „Behörden und Dienstleistungen“ ist die Bewertung mit (--) nach unserer Einschätzung zu schlecht. Die Deutsche Post AG ist zwar keine Behörde aber sie erfüllt einen staatlichen Versorgungsauftrag. Die in Hohentengen angesiedelte Post (Zustellstützpunkt) versorgt eine ganze Anzahl umliegender Gemeinden und ist damit durchaus eine zentralörtliche Einrichtung. Derzeit ist ein Neubau des Post-Verteilzentrums in Hohentengen geplant, sodass sich der Zuständigkeitsbereich noch vergrößern wird.
Auch hier stellt sich für uns die Frage, ob bzw. weshalb andere Kleinzentren im Landkreis Sigmaringen evtl. hier eine bessere Bewertung erhalten als unsere Gemeinde.
In keiner Weise können wir die negative Beurteilung (--) im Hinblick auf „Kultur und Sport“ nachvollziehen. Es gibt in der Gemeinde Hohentengen über 40 Vereine und ehrenamtliche Gruppen mit einem sehr vielfältigen Angebot in den Bereichen Musik, Sport, Kultur und Brauchtum. Deren Feste, Konzerte, Theateraufführungen und sonstigen Veranstaltungen werden von Besuchern aus dem gesamten Umland besucht. Ein Höhepunkt war zum Beispiel das Kreismusikfest im Mai 2019, das der Musikverein 1819 Göge Hohentengen e.V. in Verbindung mit seinem 200jährigen Jubiläum in Hohentengen gefeiert hat. An den vier Festtagen waren unter dem Motto „zamma feschta“ rund 5.000 Musiker/innen und fast 20.000 Besucher aus nah und fern in der Gemeinde Hohentengen zu Gast.
Durch die hohe Qualität und die Vielfalt der Angebote haben alle Vereine auch zahlreiche aktive Mitglieder aus den Nachbarkommunen. Zudem leisten unsere Vereine eine vorbildliche und herausragende Jugendausbildung, von der auch viele Kinder und Jugendlichen aus den benachbarten Städten und Gemeinden profitieren. Eine Auflistung sämtlicher relevanter Vereine mit ergänzenden Informationen entnehmen Sie bitte der Anlage.
Eine Besonderheit für unsere Gemeindegröße ist das vor 10 Jahren sanierte Lehrschwimmbecken, das nicht nur von der Göge-Schule und Besuchern aus der Gemeinde sondern auch von zahlreichen Schwimmkursen – auch aus den Nachbarkommunen – genutzt wird. Das Lehrschwimmbad wird seit Jahren von der Grundschule der Stadt Scheer mitbenutzt und die Nachbarkommunen Mengen und Ertingen nutzten während eigener Umbaumaßnahmen an ihren Bädern zeitweise unser Lehrschwimmbad für den Schulunterricht.
Zudem gibt es seit einigen Jahren ein Fitness-Center dessen Kundschaft nicht nur aus der Gemeinde sondern zum großen Teil auch aus dem Umland kommt.

4.3.5 Einzelhandel
Bei der Beurteilung dieses Kriteriums (-) wurde Hohentengen angeblich mit anderen potenziellen Kleinzentren verglichen. Ein pauschaler Verweis auf „unterdurchschnittliche Werte“ erschließt sich für uns nicht. Im Blick auf unsere Gemeinde wollen wir darauf verweisen, dass im Zuge der Ortskernsanierung das Rathaus in die „neue Mitte“ von Hohentengen verlegt um das Ortszentrum mit den dort vorhandenen Geschäften und Betrieben zu stärken. 
Wie schon ausgeführt, ist die Grundversorgung sehr gut gesichert. Neben einem „Netto“-Einkaufsmarkt unweit der Ortsmitte von Hohentengen gibt es zahlreiche Geschäfte: Bäckerei, Metzgerei, Apotheke, Elektrofachhandel, Blumen- und Floristik, Fahrräder/E-Bikes mit Werkstatt, Handarbeitswolle, ein Kombigeschäft Schreibwaren / Lebensmittel / Post-Agentur sowie mehrere Gaststätten, Frisöre usw.), die auch von auswärtigen Kunden genutzt werden. Eine noch weitergehende überregionale Bedeutung haben ein überregional tätiger Landhandel sowie ein Geschäft für Möbel und Küchenausstattung mit zugehöriger Schreinerei.
Eine Besonderheit ist auch ein Fleischzerlegebetrieb mit Verkaufsstätte, der insbesondere für muslimische Kunden Fleisch- und Wurstprodukte anbietet. Neben Endkunden aus der ganzen Region werden auch Imbiss-Betriebe (Döner/Kebab) aus dem gesamten süddeutschen Raum beliefert. Eine Auflistung sämtlicher relevanter Betriebe mit ergänzenden Informationen entnehmen Sie bitte der Anlage.


4.3.6 Stärke des Siedlungs- und Versorgungskerns

Auch hier können wir die Einschätzung (o) nicht nachvollziehen. Zumindest sehen wir uns im Vergleich mit den vorhandenen Kleinzentren im Landkreis Sigmaringen „auf Augenhöhe“. Weshalb soll Hohentengen ein weniger ausgeprägter Siedlungs- und Versorgungskern sein als die anderen? 


4.3.8. Verkehrsinfrastruktur
Wie unter 4.3.1 bereits ausgeführt, verläuft die Landesentwicklungsachse B32/B311 entlang dem Gewerbegebiet Hohentengen, das über einen direkten Straßenanschluss mit Abbiegespur erschlossen ist. Die Anbindung des Ortskerns von Hohentengen ist über die Gemeindeverbindungs-straße Nr. 218 gegeben. Diese Anbindung wird durch die Schaffung eines interkommunalen Gewerbe- und Industriegebiets (Zweckverband IGI DOS „Mitte“) ertüchtigt und an Bedeutung gewinnen.
Deshalb ist die Bewertung der Verkehrsinfrastruktur im Steckbrief (o) zu schlecht.


4.3.9 Arbeitsplätze und Pendler
Auch hier ist die Beurteilung (-) nicht akzeptabel. Die Steigerung der Beschäftigten zwischen 2001 (171) und 2018 (222) beträgt 29,8% (Quelle Statistisches Landesamt Baden-Württemberg). Insofern „hinkt“ der Vergleich zu 1996 (lediglich +16,2 %).
Zudem ist die Zahl seit 2018 noch einmal deutlich angestiegen, da ein großes und erfolgreiches Bauunternehmen mit rund 80 Mitarbeiter/innen seinen Hauptsitz zurück in unsere Gemeinde verlegt hat. 
In der Gemeinde Hohentengen gibt es eine sehr vielfältige Gewerbestruktur. Es fehlen vielleicht die „großen Arbeitgeber“ mit weit mehr als 100 Mitarbeiter/innen, aber in den letzten Jahren wurden sehr viele kleinere und mittlere Handwerks- und Gewerbebetriebe neu gegründet oder erheblich erweitert. Ein Indiz dafür sind die zahlreichen gewerblichen Förderprojekte der letzten Jahre im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) sowie dem Sonderförderprogramm „Spitze auf dem Land“ (Fa JBF Hohentengen).


4.3.10 Zentralrelevante Besonderheiten
Der Flugplatz Mengen-Hohentengen, dessen Areal zum großen Teil auf der Gemarkung Hohentengen liegt, ist eine wichtige Infrastruktureinrichtung. Mit jährlich 38.000 Flugbewegungen steht er an vierter Stelle in Baden-Württemberg.
Die Bedeutung des Regio Airport wird in Zukunft weiter zunehmen – zumal auch die Universität Stuttgart dort ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt zum elektrischen und unbemannten Fliegen startet. 
Wir erwarten exakte Informationen, wie der Verkehrslandeplatz als für die Raumschaft strukturell bedeutende Einrichtung bewertet wird und wie die Verteilung dieser „Positiv-Punkte“ auf Mengen und Hohentengen vorgenommen wurde.


III. Fazit:
Die aktuell geringere Bevölkerungszahl (< 8.000 EW.) und der etwas geringere überörtliche Verflechtungsbereich wird nicht bestritten, trifft aber in gleichem Maße auf andere Kleinzentren zu. Insgesamt sehen wir uns bei der Gemeinde Hohentengen „auf Augenhöhe“ mit den meisten anderen Kleinzentren im Regionalverbandsgebiet und erkennen nicht, wo größere Defizite es rechtfertigen würden, dass wir als einzige Gemeinde den Status als Kleinzentrum verlieren sollten.
Als nachvollziehbare Unterlage für eine vergleichende Überprüfung der in den Steckbriefen angeführten Argumente wäre die Vorlage einer tatsächlich konkret prozentual ausgefüllten „Übersicht der Kriterien und derer Gewichtung zur Festlegung von Kleinzentren auf der Grundlage des Landesentwicklungsplans“. Wir gehen davon aus dass für jede Gemeinde eine solche Grundlagenermittlung und Bewertung vorgenommen wurde und Verlangen exakte Angaben zu Hohentengen und anderen vergleichbaren Kommunen, die Kleinzentrum sind oder werden sollen. 
Gleich in mehreren Passagen wird auf die entfernungsmäßige Nähe zum Unterzentrum Mengen verwiesen. Die Einschätzung einer besonderen Zentralfunktion der Stadt Mengens wird aber nicht geteilt. Wenn Bürger der Gemeinde Hohentengen außerhalb Bedarfe decken so tun sie dies in mehreren Richtungen und nicht schwerpunktmäßig in Mengen. In mindestens gleichem Maße erfolgt dies in Bad Saulgau und teilweise, je nach Lage der Ortsteile, auch in Ostrach oder Pfullendorf. Größere Einkäufe (z.B. Bekleidung, Elektronik, usw.) werden häufig in Oberzentren (Ravensburg, Ulm) erledigt. Es sind also Verflechtungen nach allen Seiten gegeben. 


Abschließend stellen wir die Forderung, dass die Gemeinde Hohentengen im künftigen Regionalplan die Einstufung als „Kleinzentrum“ behalten wird. 


Kontakt

Gemeinde Hohentengen
Beizkofer Straße 57
88367 Hohentengen
Tel. 07572 / 760-20

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